Förderprogramm „Lernen mit Rückenwind“ in Baden-Württemberg (Schuljahr 2025/26)
Förderprogramm „Lernen mit Rückenwind“ in Baden-Württemberg (Schuljahr 2025/26)
Sozialkompetenzen fördern – Klassenfahrten als wirksamer pädagogischer Rahmen
Im Mittelpunkt des Förderprogramms „Lernen mit Rückenwind“ steht die gezielte Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern. Gefördert werden pädagogische Maßnahmen, die Klassengemeinschaft, Kommunikation, Konfliktfähigkeit, Selbstregulation und Verantwortungsübernahme stärken.
Klassenfahrten sind dabei nicht der Fördergegenstand, sondern bieten sich als besonders geeigneter pädagogischer Rahmen an: Abseits des Schulalltags werden Gruppendynamiken sichtbar, soziale Lernprozesse verdichten sich – und pädagogische Interventionen können ihre Wirkung besonders gut entfalten.
Entscheidend ist deshalb eine klare Trennung:
- Die Förderung der Sozialkompetenzen steht im Vordergrund.
- Die Klassenfahrt bildet den organisatorischen und zeitlichen Rahmen, in dem diese Förderung wirksam umgesetzt werden kann.
Dieser Artikel zeigt, wie Schulen das Programm praxisnah nutzen können – auch dann, wenn eine Klassenfahrt bereits in einer Jugendherberge oder einem anderen Haus gebucht ist – und welche Umsetzungsmodelle sich bewährt haben.
1. Einordnung des Programms „Lernen mit Rückenwind“
„Lernen mit Rückenwind“ ist ein Förderprogramm des Landes Baden-Württemberg zur Unterstützung von Schülerinnen und Schülern mit besonderem Förderbedarf, insbesondere in den Bereichen:
- sozial-emotionale Entwicklung
- Lern- und Arbeitsverhalten
- Basiskompetenzen mit Lernbezug
Das Programm wurde im Schuljahr 2021/22 eingeführt und als Landesprogramm weitergeführt. Nach aktuellem Stand kann es mindestens bis einschließlich Schuljahr 2025/26 genutzt werden. Auch Schulen in freier Trägerschaft können teilnehmen; für sie gelten gesonderte Verwaltungsvorschriften.
Wichtig für die Praxis:
Rückenwind ist kein starres Projektformat, sondern ein flexibler Förderrahmen, innerhalb dessen Schulen unterschiedliche pädagogische Maßnahmen umsetzen können – auch außerhalb des klassischen Unterrichts.
2. Warum sich Klassenfahrten als Rahmen besonders eignen
Viele Zielsetzungen des Programms decken sich mit den pädagogischen Potenzialen von Klassenfahrten:
- soziale Rollen werden neu verhandelt
- Konflikte entstehen real und bearbeitbar
- Verantwortung wird konkret erlebt
- Kommunikation hat unmittelbare Konsequenzen
Gerade deshalb eignen sich Klassenfahrten als Rahmen für sozial-emotionale Fördermaßnahmen besonders gut.
Gleichzeitig gilt klar:
Nicht die Klassenfahrt wird gefördert, sondern die pädagogische Maßnahme.
Gefördert werden ausschließlich klar definierte Lern- und Entwicklungsbausteine, die:
- einer pädagogischen Zielsetzung folgen
- methodisch strukturiert sind
- Reflexions- und Transferphasen enthalten
Kosten für Unterkunft, Verpflegung, An- und Abreise oder allgemeine Organisation gehören nicht zur Förderung.
3. Die klare Rollenverteilung: Geförderte Maßnahmen und pädagogischer Rahmen
Für eine förderlogisch saubere Umsetzung ist die Unterscheidung zwischen Maßnahme und Rahmen zentral.
Gefördert werden:
- sozial-emotionale Lern- und Trainingsmodule
- klar abgegrenzte pädagogische Einheiten
- Maßnahmen mit Ziel, Methode, Reflexion und Transfer
Nicht gefördert wird:
- die Klassenfahrt als solche
- Unterkunft und Verpflegung
- An- und Abreise
- allgemeine Organisationsleistungen
Klassenfahrten bieten jedoch einen besonders geeigneten Rahmen, weil sie:
- ausreichend Zeit für Gruppenprozesse schaffen
- reale soziale Situationen erzeugen
- Lern- und Entwicklungsprozesse intensivieren
Diese Trennung ist pädagogisch sinnvoll und verwaltungsrechtlich entscheidend.
4. Unabhängigkeit von Unterkunft und Anbieter
Die Nutzung des Förderprogramms ist nicht an eine bestimmte Unterkunft oder einen bestimmten Anbieter gebunden.
Auch wenn eine Klassenfahrt bereits:
- in einer Jugendherberge
- in einem Schullandheim
- oder in einer anderen Gruppenunterkunft
gebucht ist, können sozial-emotionale Fördermaßnahmen im Rahmen von „Lernen mit Rückenwind“ umgesetzt werden.
In diesem Fall:
- bleibt die Klassenfahrt organisatorisch unverändert
- die Förderung bezieht sich ausschließlich auf die pädagogischen Module
- die Abrechnung erfolgt separat über das Förderprogramm
5. Zwei bewährte Umsetzungsmodelle
Modell A: Fördermaßnahme integriert in eine Klassenfahrt
Die Schule plant von Beginn an sozial-emotionale Lernbausteine, die:
- zeitlich klar abgegrenzt sind
- pädagogisch konzipiert werden
- explizit als Rückenwind-Maßnahme geführt werden
Diese Module finden im Rahmen der Klassenfahrt statt, sind jedoch konzeptionell und abrechnungstechnisch klar von der Reiseleistung getrennt.
Vorteil:
Ein stimmiges Gesamtkonzept, das nach außen als Einheit wirkt, intern jedoch förderlogisch sauber aufgebaut ist.
Modell B: Fördermaßnahme zu einer bereits gebuchten Klassenfahrt
Dieses Modell ist für viele Schulen besonders relevant.
Auch wenn Unterkunft, Anreise und Ablauf bereits organisiert sind:
- bleibt die Klassenfahrt unverändert bestehen
- EOS als externer Träger führt zusätzliche sozial-emotionale Module durch
- die Maßnahme wird kostenneutral über Rückenwind umgesetzt
Vorteil:
Keine Anpassung bestehender Planungen, gleichzeitig eine deutliche pädagogische Vertiefung der Fahrt.
6. Die Rollevon EOS Erleben als externer Träger in der Praxis
In der Umsetzung ergeben sich unterschiedliche Konstellationen:
- Die Schule organisiert die Klassenfahrt selbst; ein externer Träger übernimmt ausschließlich die geförderten pädagogischen Module.
- In anderen Fällen übernimmt ein Träger zusätzlich die Organisation der Klassenfahrt (z. B. Unterkunft, Verpflegung, Ablauf). Die Förderung bezieht sich dann weiterhin nur auf die pädagogischen Maßnahmen, nicht auf die Reiseleistung.
Beide Varianten sind möglich, sofern die inhaltliche und abrechnungstechnische Trennung klar eingehalten wird.
7. Welche Inhalte sind förderfähig?
Förderfähig sind insbesondere Maßnahmen zur:
- Stärkung der Klassengemeinschaft
- Förderung von Kooperation und Teamfähigkeit
- konstruktivem Umgang mit Konflikten
- Selbstregulation und Verantwortungsübernahme
- Entwicklung kommunikativer Fähigkeiten
Nicht entscheidend ist die konkrete Methode, sondern:
- die pädagogische Zielsetzung
- die bewusste Reflexion
- der Transfer in den Schulalltag
Nicht förderfähig sind reine Freizeit- oder Unterhaltungsangebote ohne Lern- oder Entwicklungsziel.
8. Zielgruppen und Förderberechtigung
Teilnahmeberechtigt sind:
- öffentliche Schulen aller Schularten
- Schulen in freier Trägerschaft
Die Auswahl der geförderten Klassen oder Gruppen erfolgt schulintern, häufig in Abstimmung zwischen Klassenleitung, Schulleitung und Schulverwaltung. Eine Förderung ganzer Klassen ist bei sozial-emotionalem Förderbedarf ausdrücklich möglich.
9. Ablauf von Planung, Antrag und Abrechnung
In der Praxis bewährt sich folgender Ablauf:
- Pädagogischen Bedarf klären
- Maßnahme definieren (Ziel, Dauer, Inhalte)
- Kooperationsvereinbarung schließen (bei externen Trägern)
- Durchführung im Rahmen oder begleitend zur Klassenfahrt
- Abrechnung ausschließlich für den pädagogischen Anteil
Der administrative Aufwand für Lehrkräfte bleibt überschaubar; häufig übernimmt die Schulverwaltung die formale Abwicklung.
10. Typische pädagogische Bausteine auf Klassenfahrten
Bewährt haben sich u. a.:
- kooperative Teamaufgaben mit Auswertung
- angeleitete Kommunikations- und Konfliktsettings
- naturbezogene Lernräume mit Reflexion
- strukturierte Abschluss- und Transferphasen
Zentral ist stets der Dreischritt:
Erleben – Reflektieren – Übertragen
11. Fazit
„Lernen mit Rückenwind“ ermöglicht es Schulen, sozial-emotionale Kompetenzen gezielt zu fördern – und Klassenfahrten bieten dafür einen besonders geeigneten Rahmen.
Unabhängig davon, wo eine Klassenfahrt stattfindet und wer sie organisiert, kann das Programm genutzt werden, solange klar bleibt:
Gefördert wird die pädagogische Lernarbeit, nicht die Reiseleistung.
Richtig eingesetzt verleiht „Rückenwind“ Klassenfahrten genau das, was sie pädagogisch stark macht:
Zeit, Struktur und Rückenwind für nachhaltige Entwicklung.
Tom
Autor
